Bildschirmsprachen

Gestaltungssprachen, die eigens für den Bildschirm verfasst und veröffentlicht wurden. Im selben Regal lassen sich auf einen Blick die der Firmen, die ein Betriebssystem herausgebracht haben, und die von Regierungen unterscheiden, die keinen Grund hatten, mit Steuergeld erstellte Regeln zu verbergen.

Wörterbucheintrag

  1. Motif 1989– / Stil

    Motif ist die Oberflächensprache der UNIX-Workstations, gepflegt von The Open Group, als IEEE 1295 genormt und auf mehr als zweihundert Rechnertypen ausgeliefert. Die eigene Dokumentation nennt das Aussehen eine dreidimensionale, abgeschrägte Erscheinung, das heißt jedes Bauteil sitzt auf einer grauen Fläche, deren Kanten eine helle und eine dunkle Farbe tragen, sodass alles erhaben wirkt.

  2. OPEN LOOK 1988–1990s / Stil

    Die Bildschirmsprache für UNIX-Workstations, die Sun Microsystems als Spezifikation veröffentlicht hat. Sie legt zugleich eine Fassung für Schwarzweißanzeigen und eine dreidimensionale Fassung fest, setzt alle gemeinsamen Elemente in einer einzigen Groteske und bestimmt, dass Farbe zurückhaltend zu verwenden ist. An der linken Schulter eines Aufklappfensters sitzt eine Reißzwecke, und wer sie einsteckt, behält das Fenster auf der Arbeitsfläche.

  3. NeXTSTEP Interface 1988–1997 / Stil

    Die Bildschirmsprache, die NeXT im Richtlinienbuch von 1993 festlegte. Das Dokument nennt sein Ziel unumwunden, eine Farbgebung allein aus Schwarz, Weiß und Grau und ein schlichtes Aussehen, das seine Plastizität aus Schattierung gewinnt. Das Menü steht als senkrechte Säule oben links, und die Symbole der abgelegten Anwendungen reihen sich senkrecht am rechten Rand.

  4. Amiga Workbench 1985–1996 / Stil

    Die Bildschirmsprache des Amiga, die Commodore im eigenen Gestaltungsleitfaden festschrieb. Die frühen Fassungen arbeiten mit nur vier Farben, Blau mit Weiß und Orange, und pressen Topaz, eine kantige Bitmapschrift, in ein Raster von 640×200. Nicht die Fenster, sondern die Bildschirme selbst bilden Schichten, und wer die obere Leiste nach unten zieht, bekommt den dahinter laufenden Bildschirm zu sehen.

  5. BeOS Interface 1995–2001 / Stil

    Die Oberflächensprache von Be, die auf die Titelleiste über die ganze obere Fensterkante verzichtete und stattdessen nur einen gelben Reiter von der Breite des Namens aufsetzte. Das offizielle Handbuch nennt das eine Eigenheit allein der Be-Fenster, denn mit gedrückter Shift-Taste wandert der Reiter seitwärts, sodass gestapelte Fenster eine Reihe sichtbarer Reiter hinterlassen, statt einander zu begraben.

  6. Adwaita 2011– / Stil

    Adwaita nennt GNOME das eigene Standardaussehen, und die Richtlinien verlangen, dass ein und derselbe Satz von Bauteilen die helle, die dunkle und die kontrastreiche Fassung tragen muss. Eine Kopfleiste quert die obere Fensterkante, und die Schaltflächen darauf werden ohne Hintergrund und ohne Rahmen gezeichnet. Symbole sind einheitlich einfarbige Piktogramme von 16x16px.

  7. Metal (Java Look and Feel) 1998– / Stil

    Das Standardaussehen, das Sun für Swing gebaut hat, damit ein Programm auf jedem Betriebssystem gleich aussieht. Metal war bei Sun der interne Projektname und blieb als öffentlicher Name hängen. Kennzeichnend sind blauviolette Flächen, dünne gerade Rahmen und die vollständige Weigerung, die Plattform darunter nachzuahmen.

  8. One UI 2018– / Stil

    Die Gestaltungssprache, die Samsung für die Galaxy Geräte festgelegt hat. Sie teilt den Bildschirm auf der Höhe, die der Daumen am leichtesten erreicht, und nennt den oberen Teil Sichtbereich und den unteren Bedienbereich, sodass Titel oben sitzen, während sich Schaltflächen, Reiter und Dialoge unten sammeln. Inhalte werden in Behälter mit stark gerundeten Ecken gefasst, der Grund ist entweder Weiß oder reines Schwarz, und ein einziges Blau trägt alle Akzente.

  9. XrossMediaBar (XMB) 2003–2013 / Layout

    Die Bildschirmsprache, die Sony unter dem Namen XMB für seine Spielkonsolen und Fernseher als Marke eintragen ließ. Wie das offizielle Handbuch es beschreibt, trägt die waagerechte Reihe die Funktionskategorien und die senkrechte Spalte das, was in der jeweiligen Kategorie möglich ist, und nur der eine Punkt, an dem beide sich kreuzen, leuchtet golden auf und zeigt den aktuellen Ort. Alles andere schläft in blassem Blau auf dunklem Grund.

  10. Magic Cap 1994–1998 / Bildwelt

    Die Bildschirmsprache, die General Magic auf ihre tragbaren Kommunikationsgeräte brachte. Sie ahmt keine Gegenstände nach, sondern einen Ort, beginnt an einem Schreibtisch mit Telefon, Rolodex und Notizblock und führt über einen Flur ins Spielzimmer oder in die Kammer. Alles Berührbare ist gezeichnet, und es ist überliefert, dass viele Menschen ohne Handbuch einfach losgelegt haben.

  11. GOV.UK Design System 2012– / Stil

    Die Gestaltungssprache, die der Government Digital Service der britischen Regierung für öffentliche Dienste veröffentlicht und pflegt. Alles läuft in einer einzigen schmucklosen, links ausgerichteten Spalte in der GDS Transport, und die grüne Schaltfläche behält rechte Ecken und gewinnt ihre Dicke aus einem dunkleren grünen Band an der Unterkante, um beim Drücken genau um diese Dicke einzusinken. Was den Tastaturfokus trägt, wird gelb und bekommt eine schwarze Linie darunter.

  12. Xerox Star Interface 1981–1990s / Stil

    Die Bildschirmsprache, die der Xerox 8010 von 1981 festlegte. Ordner, Ein- und Ausgangskörbe, Aktenschubladen und anderes Büromaterial erscheinen als beschriftete Sinnbilder, und der Prospekt jener Jahre nannte das eine elektronische Schreibtischplatte. Die Dinge auf dem Bildschirm lassen sich mit der Maus frei bewegen, kopieren und wegwerfen.

  13. PLATO Terminal Screen 1972–1980s / Stil

    Der Bildschirm von PLATO, dem Lehrnetz, das die University of Illinois Anfang der 1960er Jahre begann. Auf einer flachen Plasmatafel mit Berührungseingabe setzen die Befehle von TUTOR Schrift und Zeichnung unmittelbar über Koordinaten, weshalb es keinen Zeilenfluss wie in einem Dokument gibt. Auch die Bildschirme für Aushänge und Gespräche fanden hier ihre Form.

  14. Breeze 2014– / Stil

    Der voreingestellte visuelle Stil, den KDE zusammen mit Plasma 5 einführte. Die Ankündigung beschreibt ihn selbst als flaches Thema mit hohem Kontrast, und die Sinnbilder werden einfacher und nahezu einfarbig geordnet. Statt Schmuck trägt der Satz die Unterscheidung der Elemente, und eine helle und eine dunkle Fassung liegen von Anfang an als Paar vor.

  15. Acme 1994– / Stil

    Der Bildschirm, den Rob Pike 1994 in einem Aufsatz vorstellte und der Fenstersystem, Shell und Editor zu einem Ding macht. Er hat weder Menü noch Sinnbilder, und jede Zeichenfolge auf dem Bildschirm lässt sich mit der mittleren Taste ausführen und mit der rechten öffnen. Fenster stapeln sich in Spalten und bestehen nur aus zwei Teilen, einem einzeiligen Tag und dem Rumpf.

  16. Oberon System Interface 1988– / Layout

    Der Bildschirm des Systems, das Wirth und Gutknecht von 1986 bis 1989 an der ETH bauten. Fenster überlappen nie, der Bildschirm wird in senkrechte Bahnen geteilt und darin von oben nach unten gefüllt. Jeder Text auf dem Bildschirm lässt sich mit der mittleren Taste ausführen, sofern er die Form M.P hat, weshalb das System kein eigenes Bauteil namens Menü braucht.

Zurück zur Position im Index