Abstrakte Malerei der Nachkriegszeit

Malerei, die die geometrische Disziplin verließ, um die Farbe als Stoff und den Akt des Auftragens nach vorn zu holen. Bewegungen, die beiderseits des Atlantiks gleichzeitig auftraten, lassen sich hier paarweise lesen.

Wörterbucheintrag

  1. Color Field Painting late 1940s–1960s / Stil

    Große zusammenhängende Farbflächen, eingesogene Ränder und wenige Formen bauen einen Farbraum, der die ganze Bildfläche einnimmt und lange Betrachtung verlangt.

  2. Art Informel 1945–1960 / Stil

    Eine europäische Nachkriegsabstraktion, die sowohl die geometrische Komposition als auch die Gegenständlichkeit verweigerte und die Fläche aus Materie und den Spuren des Tuns selbst bildete. Dick aufgetürmte Farbe, Kratzer, Flecken und Risse zeigen einen Zustand vor der Form. Sie ist die Quelle aller Gestaltung, die die Körperlichkeit des Materials nach vorn schiebt. Von der Geschwindigkeit der Geste her gesehen heißen dieselben Bilder Tachismus, von ihrer lyrischen Seite her gesehen Lyrische Abstraktion, sodass mehrere Namen verschiedene Seiten derselben Malerei bezeichnen.

  3. Tachisme 1945–1960 / Stil

    Eine europäische Abstraktion, benannt nach der tache, dem Fleck, die dem Zufall von Duktus und Tropfen die Hauptrolle gibt. Geplante Komposition wird aufgegeben; allein die Geschwindigkeit, mit der die Farbe auftrifft und verläuft, wird zur Ordnung der Fläche. Innerhalb des Art Informel der Name, der die Schnelligkeit der Geste in den Mittelpunkt stellt.

  4. Neo-Expressionism 1978–1990 / Stil

    Eine internationale Strömung, in der als Reaktion auf die Askese von Minimal und Concept Art große Formate, heftiger Pinselduktus und Sujets aus Geschichte und Mythos zurückkehrten. Ihre rohe Zeichnung und ihre Schmutzschichten gehen unmittelbar in die Temperatur der Plattencover und Magazinlayouts der 1980er Jahre ein.

  5. Nouveau Réalisme 1960–1970 / Stil

    Eine Gruppe, die 1960 in Paris die „direkte Aneignung der Wirklichkeit“ ausrief. Abgerissene Plakatschichten, komprimierte Autokarosserien und angehäufter Müll machen die Stadt selbst zum Werk, ohne den Umweg über die Darstellung. Die Haltung, Material nicht zu bearbeiten, sondern auszuwählen, schuf die Voraussetzung der späteren Assemblage.

  6. Lyrical Abstraction 1947–1970s / Stil

    Eine Abstraktion, die weder der Disziplin der Geometrie noch der heftigen Geste folgt, sondern das Lyrische aus fließendem Duktus und verlaufender Farbe aufbaut. Der in Paris geprägte Begriff wurde später in Amerika auch für dünn lasierte, in die Leinwand einziehende Malerei verwendet. Ein Bezugspunkt, wenn Weichheit und Leichtigkeit gestaltet werden sollen.

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