Experimentelle Typografie

Versuche, bei denen nicht nur der Text gelesen werden soll, sondern schon der Ort auf der Seite Bedeutung trägt. Bewegungen der Dichtung und Bewegungen des Satzes arbeiten hier an derselben Frage.

Wörterbucheintrag

  1. The New Typography 1920s–1930s / Layout

    Machte Drucksachen durch Asymmetrie, Groteskschriften, Fotografie und funktionale Hierarchie zur rationalen Informationsstruktur.

  2. Concrete Poetry 1950s–1970s / Layout

    Komponiert nicht nur die Bedeutung der Wörter, sondern ihre Platzierung, Wiederholung, den Weißraum und den Klang als das Gedicht selbst.

  3. Typographic Space 1897– / modernist legacy / Layout

    Das Weiß der Doppelseite, Sprünge in Größe und Zeilenführung sowie mehrere Schriften gestalten Lesezeit und stimmliche Dynamik als Raum.

  4. Swiss Punk Typography 1970s–1980s / Stil

    In Basel, der Heimat des Schweizer Stils, zerlegte Weingart das Raster von innen. Gesprengte Buchstabenabstände, gestufte Satzbilder und übereinandergelegte Filmbelichtungen machten aus der Rebellion innerhalb der Disziplin die New-Wave-Typografie.

  5. Lettrism 1946–1970s / Stil

    Eine in Paris entstandene Bewegung, die den Buchstaben von seiner Pflicht befreite, Bedeutung zu tragen, und Klang und Form selbst als Material des Werks behandelte. Von mit unlesbaren Zeichen gepflasterten Flächen über die wuchernden Zeichen der Hypergraphie bis zu Kratzspuren direkt im Filmmaterial erweiterte sie das Experiment, Schrift als physische Materie zu handhaben.

  6. Ultraísmo 1918–1925 / Layout

    Eine Avantgarde des spanischen Sprachraums, die für eine Dichtung eintrat, welche die Metapher verdichtet und allen Zierat ablegt. Auf den Seiten der Zeitschriften laufen die Lettern schräg, abstrakte Holzschnitte schieben sich dazwischen, und das Gedicht selbst wird als Bildtafel gesetzt. Früheste experimentelle Typografie im Pendelverkehr zwischen Iberien und Südamerika.

  7. Creacionismo 1916–1930s / Layout

    Eine aus Chile stammende, über Paris führende Bewegung, die erklärte, das Gedicht bilde nicht die Natur ab, sondern erschaffe eine neue Tatsache. Sie brachte visuelle Poesie in Menge hervor, in der Buchstaben als Figuren gesetzt werden, und machte die Grenze zwischen Wort und Fläche zum Gegenstand des Experiments. Neben dem Ultraísmo die zweite Säule der spanischsprachigen Avantgarde.

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