Publikation und Redaktion

Arbeiten, die auf ein Format setzen, nämlich gebundenes und verteiltes Papier. Von der Klosterhandschrift bis zum selbstgemachten Zine ist der Maßstab der Machenden verschieden, doch über die Form entscheidet die redaktionelle Wahl.

Wörterbucheintrag

  1. 80’s Editorial 1980s / Stil

    Gewinnt aus Weißraum und großem Bildmaßstab eine leise, aber sichere Autorität.

  2. Editorial Collage contemporary / Technik

    Schichtet Fragmente aus verschiedenen Zeiten und Zusammenhängen und zeigt den Standpunkt der Redaktion noch vor jeder Erklärung.

  3. Illuminated Manuscript late antiquity–Renaissance / Stil

    Verwebt Text, Bild und Vergoldung zu einem einzigen Seitengefüge und macht das Lesen zum Ritual.

  4. Artist’s Book 1960s– / Technik

    Gestaltet das Buch nicht als Behälter, sondern als das Werk selbst, wobei Bindung, Abfolge, Papier, Wiederholung und der Umgang der Lesenden dazugehören.

  5. Zine 1930s– / 1970s revival / Technik

    Verbreitet persönliche und gemeinschaftliche Stimmen ohne Verlage, in kleinen Auflagen, mit geringem Budget und in DIY-Vervielfältigung.

  6. Photobook 19th century– / Layout

    Die visuelle Erzählung entsteht nicht in den einzelnen Fotografien, sondern im ganzen Buch: in Sequenz, Doppelseiten, Rändern, Text, Papier und Format.

  7. Private Press 1891–1930s / Stil

    Eine Bewegung als Antwort auf den industrialisierten Druck: Schrift, Papier, Satz und Bindung unter einem Ideal vereint, das Buch neu erfunden als Gesamtkunstwerk.

  8. Soviet Picture Book 1920s–1930s / Stil

    Die Kinderbücher der revolutionären Avantgarde: Lebedew und andere brachten konstruktivistische Flächigkeit und einfache Formen ins Erzählen und machten billig lithografierte Bilderbücher zum Labor der Buchgestaltung des 20. Jahrhunderts.

  9. Devětsil 1920–1931 / Stil

    Teige gab der tschechischen Avantgardegruppe ihr Bildgedicht. Indem sie Fotografie, Schrift und Zeichen als Vers zusammensetzte, machte diese lyrische Spielart des Konstruktivismus das Prag der Zwischenkriegszeit zum Laboratorium der Buchgestaltung.

  10. Pulp Magazine Cover 1920s–1950s / Stil

    Auf billigem Papier gedruckte Romanhefte konkurrierten über reißerische Titelbilder. Melodramatische Ölmalerei, der Augenblick höchster Gefahr und schreiende Logotypen gossen die Bildsprache von Science-Fiction, Horror und Kriminalroman, die von dort in Taschenbuch und Comic weiterfloss.

  11. Penguin Cover System 1935– / Stil

    Von den dreigeteilten Farbbändern der ersten Umschläge über Tschicholds Satzregeln bis zu Marbers Linienraster erfand Penguin den Umschlag immer wieder als Gestaltungssystem. So wurde das Taschenbuch zum Lehrbuch der modernen Gestaltung.

  12. Ex Libris (Bookplate) 15th century– / Stil

    Eine kleine Eigentumsgrafik, die auf den Vorsatz eines Buches geklebt wird. Seit Dürer schneiden Stecher Wappen, Allegorie und das genaue Selbstbild des Sammlers auf wenige Zentimeter und schaffen so eine private Grafik, in der Buchkultur und Druckgrafik einander begegnen.

  13. Photo Essay 1936–1972 / Layout

    Die Seitenform, die LIFE zur Vollendung brachte: Fotografien, zu erzählenden Bögen montiert. Maßstabskontraste über die Doppelseite, Eröffnungs- und Schlussbild sowie die Stimme der Bildunterschriften gaben der Fotografie eine Grammatik des Erzählens.

  14. Stereograph 1850s–1930s / Stil

    Mit zwei Objektiven aufgenommene Bildpaare, im Betrachter räumlich gesehen, waren das größte Bildmedium des 19. Jahrhunderts. Massenhaft produzierte Karten erlaubten die Weltreise vom Salon aus, ein Immersionsgerät lange vor VR.

  15. Carte de Visite 1854–1900s / Stil

    Disdéri ließ sich das massenhaft gefertigte Porträt im Visitenkartenformat patentieren. Acht Posen auf einer Glasplatte machten das Porträt billig genug, um es zu demokratisieren, und mit dem Sammeln von Prominentenkarten und der Albumkultur beginnt das geteilte Gesicht.

  16. Modern American Book Jacket 1940s–1950s / Stil

    Der Schutzumschlag-Stil, den Lustig bei New Directions entwickelte: Andeutung durch Zeichen und Abstraktion statt Illustration, die literarische Umschläge in kleine moderne Kunstwerke verwandelte und die amerikanische Buchgestaltung der Nachkriegszeit hob.

  17. Japanese Book Design (Sōtei) 1900s– / Stil

    Eine japanische Tradition, das Buch als handwerkliches Objekt zu gestalten, von Yumejis Notentiteln bis zu Onchi Kōshirōs Abstraktion. Schuber, Vorsatz, Titelschild und Kapitalband werden als eine einzige Gestaltung entworfen, sodass die Hand das Buch genießt, bevor das Auge es liest.

Zurück zur Position im Index