Notationssysteme

Systeme, die einen in der Zeit ablaufenden Vorgang in Positionen auf dem Papier übersetzen, damit ein anderer ihn nachvollziehen kann. Das gilt nicht nur für Klang, sondern auch für Tanz und für Maschen.

Wörterbucheintrag

  1. Neume Notation 9th century– / Stil

    Die älteste Musikschrift des Abendlandes hielt die Beugung des Gesangs in Kurven fest, wie die Bewegung einer Hand. Diese Geste der Melodie aus der Zeit, bevor die Tonhöhe an Linien gebunden wurde, lebt in den Handschriften des gregorianischen Chorals bis heute fort.

  2. Staff Notation 11th century– / Stil

    Von Guidos Erfindung der Linie bis zum Fünfliniensystem bindet diese Notation die Tonhöhe an eine Koordinate. Die Zeit läuft von links nach rechts, die Höhe nach oben und unten, ein flächiger Entwurf, der nach tausend Jahren noch in Gebrauch und damit das langlebigste Format des Informationsdesigns ist.

  3. Graphic Notation 1950s– / Stil

    Die Partituren, die Cage und Cardew zeichneten, als sie das Notensystem aufgaben: Formen, Linien, kartenartige Blätter. Indem sie die Aufführung der Deutung statt der Anweisung öffneten, wurde die Partitur selbst zur bildenden Kunst.

  4. Tablature 15th century– / Stil

    Notation aus der Sicht des Spielers: nicht welche Tonhöhe, sondern wohin die Finger greifen. Von der Lautentabulatur mit Buchstaben bis zum Gitarren-TAB die Linie einer Gebrauchsschrift, die körperliches Handeln unmittelbar codiert.

  5. Shape Note 1801– / Stil

    Die amerikanische Kirchenliednotation, die die Notenköpfe zu Dreiecken, Quadraten und Rauten umformte, um das Blattsingen zu beschleunigen. Die Sacred-Harp-Liederbücher und ihre Singtreffen machten Notationsdesign zum Werkzeug einer Gemeinschaft.

  6. Player Piano Roll 1896–1930s / Stil

    Ein Aufzeichnungsmedium aus aufgerolltem Papier, auf dem die gestanzten Löcher die Aufführung selbst sind. Es markiert die Wende von der Partitur, die ein Mensch liest, zum Code, den eine Maschine liest, und ist der Vorfahr von Lochkarte und digitalem Sequencer.

  7. Dance Notation 1700– / 1928 Laban / Stil

    Eine Linie von Versuchen, die Bewegung des Körpers auf Papier festzuhalten, von Feuillets barocken Tanzschriften bis zur Kinetographie Laban. Labans senkrechtes System faltet Gewicht, Richtung und Zeit in eine einzige Spalte, ein Alphabet der Bewegung.

  8. Knitting Chart 19th century– / Stil

    Die Notenschrift der Handarbeit, in der Maschen zu Symbolen werden und sich im Raster ordnen. Japans JIS-Maschensymbole verdichten jeden Arbeitsschritt zu einer einzigen Figur, sodass man das Muster sieht, bevor man es liest, anders als bei den ausgeschriebenen Anleitungen des Westens.

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