Internet-Ästhetiken

Stimmungen, die in anonymen Posts und weitergereichten Bildern zu ihren Namen kamen. Geordnet wird nicht nach dem Urheber, sondern nach der Unruhe oder der Beruhigung, von der die Betrachtenden berichten.

Wörterbucheintrag

  1. Dreamcore late-2010s–2020s / Bildwelt

    Montiert nostalgische Räume nach Traumlogik und erzeugt so Bilder wie Erinnerungen, in denen Geborgenheit und Unstimmigkeit zugleich wohnen.

  2. Weirdcore 2010s–2020s / Bildwelt

    Schichtet niedrig aufgelöste Bilder, zusammenhanglosen Text und verzerrte Symbole, bis die Bezüge der Wirklichkeit leicht gestört wirken.

  3. Liminal Space late-2010s– / Bildwelt

    Fotografiert Übergangsräume leer, obwohl Menschen in ihnen sein müssten, und holt damit Déjà-vu, Einsamkeit und den Eindruck stillstehender Zeit hervor.

  4. Seapunk 2011–2013 / Stil

    Mischt Meeres-CGI, Türkis, Delfine und 90er-Jahre-3D mit der Musik und Mode des Social-Media-Zeitalters.

  5. Flash Era Web Animation 1998–2010 / Stil

    Dicke Vektorkonturen, getweente Morphs und Cursorspiele auf Splashscreens: das Jahrzehnt, in dem Flash Einzelnen Ausdrucksmacht gab und das Web in ein einziges animiertes Kunstwerk verwandelte.

  6. Analog Horror 2015– / Bildwelt

    Ein im Netz entstandenes Videogenre, das seine Angst aus VHS-Zerfall, den Formularen des Katastrophenrundfunks und dem Tonfall des Lehrfilms baut. Weil es die Vertrauenszeichen des öffentlichen Rundfunks umkehrt, wird die Form selbst zum Erschreckenden.

  7. Cottagecore 2018– / Bildwelt

    Die Internetästhetik, die Landhaus, Handarbeit und frisches Brot idealisiert: weiches Tageslicht und handgemachte Textur, die das Pastorale als Reaktion auf die digitale Erschöpfung wiederaufbauen.

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